Warum Ubuntu?

Wenn ich jetzt einfach mal davon ausgehe, daß diese Seite überhaupt von irgend jemandem wahrgenommen wird (was wohl nicht der Fall ist, aber egal) ist es vielleicht auch jemandem in dem Beitrag PXE Boot aufgefallen, daß wir die meisten unserer Server im Rechenzentrum Ubuntu nutzen. Da das nicht unbedingt üblich ist hierzulande (woanders schon, zB. hat Wikipedia vor einiger Zeit angekündigt, ihre Webserver auf Ubuntu umzustellen) kann ich ja vielleicht einmal erklären, wie es dazu kommt.

Zunächst einmal: warum kein Windows?  Die Frage ist relativ einfach zu beantworten. Windows ist teuer und kann nix. Das ist meine feste Überzeugung. Wir reden hier wohlgemerkt vom Einsatz im Datacenter, daß sollte man immer bedenken! Es geht um Web-, Application- und Datenbankserver. Es mag sein, daß Windows Server in einer 3 Mann Arztpraxis seine Daseinsberechtigung hat, aber darum geht’s hier nicht. Obwohl.. wenn ichs recht bedenke, daß könnte wohl Linux auch besser. Was Windows sicher besser kann, ist als Heimrechner und Spielkonsole zu fungieren und dafür nutze ich es selber auch.

Ich habe meine Berufslaufbahn vor über 15 Jahren bei der Firma Digital Equipment begonnen und habe seit dem mit System Integration, System Engineering und System Management und dabei mit Betriebssystemen vieler Couleur beschäftigt. Angefangen mit VMS, Ultrix und Novell 3.51, Windows NT 3.5 & 3.51, später mit OpenVMS, OSF/1 & Digital Unix und Windows NT 4 und seit August ´95 (das weiß ich noch so genau, weil meine erste Distribution die “SuSE August 1995″ war. Damals hatte SuSE keine Versionsnummern und war eigentlich auch nur eine etwas umgebastelte Slackware-Kopie) natürlich – leider meist nur privat, an Einsatz in Firmen war nicht zu denken – auch intensiv mit Linux. Seit die Mainframes, die Dinosaurier der IT, aus den Rechenzentren verschwanden gibt es für geschäftskritische Anwendungen nur eine echte Alternative: “unixoide” Derivate wie AIX, Solaris, HP-UX oder True64. Keine andere Plattform kann mit Feature-Reichtum, Stabilität, Managebarkeit, Skalierbarkeit, Bedienbarkeit oder was man sich sonst noch so ausdenken kann, mithalten. Ganz besonders nicht Windows. Einziges Problem: Wer sich ein typisches größeres Datenbanksystem mit sagen wir mal 2, 3 Sun Maschinen mit Solaris drauf und als RDMS Oracle leisten will braucht schon eine Bank als Auftrageber. Für den deutschen Mittelstand sind die Lizenzgebühren völlig illusorisch.

Eine kleine Episode zu dem Thema am Rande: Wir haben vor nicht allzu langer Zeit ein neues Dokumenten Management und Archiv System einführen wollen und haben dafür eine wirklich super Software gefunden, die alle unsere Bedürfnisse abdeckt und bezahlbar war. Dieses Projekt, daß auf Sachwerte beschränkt ein Projektumfang von 12k Euro hatte, wurde jäh beendet, als heraus kam, daß die der Hersteller uns zum Kauf von IBM DB2 als RDMS nötigen wollte. Und zwar nicht etwa eine abgespeckte Version, die man sich leisten könnte, sondern hübsch die Enterprise Version und das dann natürlich auch gleich noch doppelt, damit ´s schön ausfallsicher wird. Herrlich. 12k Euro für OSs, Hardware und Applikation und 24k Euro oben drauf für die Datenbank im Hintergrund. Die haben doch ne Vollmeise. Naja, wir haben eine Alternativanbieter gefunden, der zwar leider nicht direkt Groupwise unterstützt, dafür aber kein Problem mit unseren Postgresql- und Mysql-Datenbanken hat.

Also nennen wir es beim Namen: Linux, weil es ein Unix ist, das man sich leisten kann und eine Verbreitung gefunden hat, die es möglich macht auf professionellen Support weitestgehend zu verzichten und das inzwischen eine so große Akzeptanz hat, daß es fast alle sinnvollen und sinnlosen Softare- und Hardwarelösungen dafür gibt. Ich wäre der Erste, der “Hier!” schreien würde, wenn es obrige Systeme zum vertretbaren Preis geben würde. Da es das nicht gibt, muß man sich nach Kompromissen umsehen und der einzig sinnvolle Kompromiss lautet Linux. Es bringt eine Menge Features aus der “echten” Unixwelt mit, ist ähnlich stabil und gut supportet und das Beste: Es fallen keine Lizenzkosten an, sofern man mit Community-Projekten vorlieb nimmt.

Warum nicht Redhat Enterprise Server oder SuSE Linux Enterprise Server? Ganz sicher nicht wegen des Geldes, wenn das jetzt jemand vermutet hätte, denn die Preise für diese Distributionen sind relativ moderat. Ich sage bewußt nicht “gerechtfertigt”, denn hier kommen wir auch schon zum Argument: Sie bieten keinen Mehrwert. Wir haben ein umfangreiches Lizenzpacket von SuSE inkl. Service und allem Drum und Dran, weil wir im Office Novell eDirectory (formally know as NDS), Novell Storage Service, Novell Groupwise, usw. einsetzen und obwohl wir die Lizenzen bereits haben, nutzen wir im Datacenter fast nur Ubuntu, denn es überzeugt mit nahezu perfekter Packete- und Repository-Qualität, die in zur Folge hat, daß die Systeme einfach laufen, wie man es von Ihnen erwartet. Den von SuSE gelieferten Support brauche ich eh nur für Probleme mit Software von Novell, oder für Probleme, die mit Ubuntu Server garnicht erst auftreten. Traurig, aber leider wahr. Letztendlich lautet mein Fazit für den SuSE Linux Enterprise Server: Unfassbar kleine Repositories (ich finde einfach nie die Software, die ich brauche), schwache Packetqualität (meist instabiler als die Pakete von Ubuntu oder Fedora, schwache vorbereitete Configs, meist deutlich veraltet), mit zu kleinen und veralteten Repositories auch einhergehend eine schlechte Hardware Unterstützung, das Konfigurationstool Yast treibt einen in den Wahnsinn, ungewohnte Pfadstrukturen und viele andere Eigenarten… alles in allem: Warum sollte man sich das antun, wenn es bessere Alternativen gibt, die nichts kosten?

Die Ideologen unter uns Linux Admins würden jetzt Brandreden zum Thema Debian abhalten. Aber ich nutze Linux nicht aus ideologischen Gesichtspunkten, genausowenig lehne ich auch Windows nicht aus ideologischen Gründen ab. Wenn dem so wäre, oder wenn ich, so wie viele in der OSS-Welt einfach nur cool sein wollte, würde ich eh ein BSD-Devirat nehmen und nicht Debian. Debian leistet ohne Frage einen wichtigen, kaum zu überschätzenden Beitrag für das OSS-Universum, aber die Distribution ist imho per Definition nicht für meine/unsere Zwecke geeignet. Der stabile Zweig ist notorisch veraltet, der experimentelle gnadenlos instabil und das Projekt verzettelt sich sich permanent in ideologischen Debatten fernab jeglicher Realitäten.

Letzte Alternative: Fedora. Wir haben es probiert und zu Fedora kann ich eigentlich nicht viel schlechtes sagen. Ein super Projekt. Ich habe mit ein paar Ausnahmen (zwischendurch probiere ich immer wieder andere Distributionen aus, auch SuSE, Redhat, Mandriva, Debian, Solaris, FreeBDS, name it..) seit SuSE sich von Slackware abgewendet hat immer Redhat genutzt, bis ich irgendwann Ubuntu für mich fand. Auch in der Firma war Redhat lange auf allem Maschinen, aber alles in allem ist Ubuntu in allem einfach einen Tacken besser. Es passt einfach, ich kann es schwer in Worte fassen. Ein gutes Bespiel ist vielleicht die Installationszeit eines einfachen Webservers. Als übliche Packete zur default Minimalinstallation kommen zB. OpenSSH-Server, Apache2, PHP5 und ein paar PHP-Module, SNMPD, Postfix, NTPD und vielleicht noch ein bißchen Kleinkram wie VIM (das Vollpacket, nicht das Minimumpacket, daß per Default drauf ist) oder HTOP. Selbst wenn ich auf beiden Systemen gleich geübt bin, brauche ich bei Ubuntu halb so lange um ein wie gewünscht laufendes System am Start habe, daß von unserem Backup-Server gesichert und von Nagios überwacht wird. Piece of cake.. ich schätze reine Arbeitszeit, dh. ohne warten aufs kopieren, vielleicht 20-30 Minuten Arbeit. Es passt einfach. Hinzu kommt, daß ich mit Fedora leider regelmäßig irgendwelche Probleme mit dem RPM-System hatte; speziell nicht auflösbare Abhängigkeitsprobleme, die einen echt in den Wahnsinn treiben. Wer die Ubuntu-Repositories nutzt kennt so etwas nicht. Ein weiteres Argument für Ubuntu und gegen Fedora sind die bei Ubuntu regelmäßig erscheinenden LTS-Varianten, also “Long Term Support”-Versionen, die 5 Jahre lang supportet werden.

Kommen wir zum Schluß. Ich hoffe ich konnte vermitteln, daß Ubuntu Server es für mich/uns (!) die beste Alternative darstellt und warum dies so ist. Ich hoffe ich konnte vermitteln, daß natürlich immer ein Mix aus Erfahrungen und Geschmack mit hineinspielt, aber keine ideologische Entscheidung ist und sein darf. Es mag andere Vorstellungen geben und sollte sich jemand mit solchen hier zufällig blicken lassen und diesen überlangen Text auch noch lesen, bin ich gespannt auf die Kommentare.

Update: Dirk hat sowas auch für Desktop-User schrieben, wenn es jemanden interessiert.

PXE Boot

Weil´s so schön war dann also gleich mal mein erster richtiger Blogeintrag.

Wir haben im Rechenzentrum neben den üblichen 1-8HE Serverboxen auch so´n schönes Bladecenter von Dell stehen. Dort laufen ein JBoss Cluster und MySQL-Slaves. Bisher habe ich alle Blades immer mit der Virtual Media Funktionalität des iDRACs (Dell Remote Access Controller) übers Netz installiert.

Gestern ist mir schlußendlich der Kragen geplatzt, weil dieser Mist einfach nicht stabil läuft. Dreimal ist mir die Installation eines Blades in den letzten Zügen abgebrochen, weil er Millisekunden die Verbindung verloren hatte.

Die einzig vernünftige Alternative (in´s RZ fahren und ein USB CD-Rom Laufwerk anschließen ist mir zu anstrengend) war PXE Boot. Wunderbarer Weise gibt es ein sehr gutes HowTo zum Thema Ubuntu über PXE Installieren. Damit war das Ganze in einer halben Stunde erledigt und ich konnte mit der Installation des Blades starten.

Im Grunde läufts daraus hinaus den tftpd und dhcpd zu installieren, entsprechend einzurichten und das Ubuntu Netboot Image zu kopieren. Easy Ding.. endlich kein Problem mit der Blades-Grundinstallation mehr.

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