Buchtipp
Eine meiner größten Leidenschaften ist das Lesen und kann es nur sehr schwer verstehen, daß die meisten Leute heutzutage dies offenbar komplett aufgegeben haben. Vielleicht liegt es daran, daß der Fernseher nunmal viel weniger anstrengend ist.. aber zu welchem Preis? Ich dachte mir, ich könnte ja mal die Bücher vorstellen, die ich gerade so lese. Und zwar nicht die Fachbücher, wie so viele andere technisch versierten Blogger (Was will jemand eigentlich vermitteln, wenn er verbreitet er würde ein Buch zum LPIC empfehlen? Profilierungssucht?), sondern Romane und Sachbücher die ich privat lese.
Einer meiner Lieblingssparten der Romane ist eine besondere Ecke des Science Fiction: Der “Cyberpunk”. Dabei geht es eben nicht um die klinisch heile Welt von Star Trek oder den hübschen Abendteuergeschichten aus Star Wars (hey, nicht aufregen, Star Wars mag ich auch.), sondern es geht darum zu was unsere Welt, die Menschheit, wird, wenn man derzeitige Entwicklungen konsequent weiterdenkt. Wenn Menschen durch Gentechnik zu “Gestaltern” andere, besserer, Menschen werden, wenn “Mechs” eine Hälfte ihres Körpers gegen elektronische und mechanische Komponenten tauschen oder wenn in letzter Konsequenz Leben gar keine Rolle mehr spielt, nur noch Informationen in einem allumfassenden Netzwerk zählen.
Klar, ich habe viel von William Gibson gelesen und gerade “Neuromancer” ist wirklich großartig, aber ich möchte hier ein Buch vorstellen, daß, wie ich glaube, noch einen Schritt weitergeht und die Soziologie und Politik einer solchen Zukunft noch deutlicher beleuchtet und das Ganze in eine wirklich mitreißende Geschichte verpackt. Es geht um “Schismatrix” von Bruce Sterling. Ich weiß nicht, wann ich das Buch gekauft und zum ersten Mal gelesen habe (Es ist ein DM-Preis drauf, muß also schon etwas her sein..), aber ich habe es jetzt nochmal aus dem Schrank genommen und wieder gelesen und war davon einmal mehr beeindruckt.
Die Erde ist zerstört, die Menschheit in unendlich vielen Splittern über das Sonnensystem verteilt. Raumstationen, teils Orbitale, teils auf Monden oder Meteoriten, bilden eigene Nationen, manche so klein, daß die Mitglieder kaum ausreichen die staatlichen Organe zu besetzen. Große Nationen zerfallen in Interessensgruppen, Cliquen genannt. Unerwünschte und Staatenlose wandern als Sonnenhunde durch den Raum. All diese Gruppierungen vereinen und teilen sich in zwei, im kalten Krieg befindliche Fraktionen: Den genmanipulierten Gestalter und den mechanisch-manipulierten Mechs.
Schismatrix erzählt die Geschichte des Abelard Lindsey, ausgebildeter Diplomat einer Gestalter-Nation, der ob seiner politischen Aktivitäten in ein Exil fliehen muß und von nun an unfreiwillig als Sonnenhund das Sonnensystem bereist. Er erlebt das Auf und Ab einiger Nationen und hat über hunderte von Jahren Einfluß auf die Geschicke der Menschheit. Ohne hier zu viel zu verraten endet es fantastischerweise tatsächlich in einem Ausblick auf den Posthumanismus.
Ein schnelles Fazit: Sicher nichts für Anfänger, aber wer sich darauf einläßt bekommt eine volle Breitseite der intelligent fantastischen Literatur.
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